Sommertraining läuft
Athletikblöcke, Anschubtraining, erste Einheiten am Steuer: Die Vorbereitung auf die erste Saison als Pilot ist in vollem Gange.
Jörn Wenzel hat 2026 als Anschieber Olympiagold gewonnen. Eine Woche später saß er zum ersten Mal vorne im Schlitten. Jetzt fängt er noch einmal von unten an — als Pilot.
Jörn Wenzel ist an der Bobbahn groß geworden. Seine Eltern helfen seit Jahren bei Wettkämpfen und Weltcups mit, und so stand er schon als kleines Kind jeden Winter an der Bande. Mit 16 präparierte er im Bahnarbeiterteam selbst das Eis und feuerte die Athleten an, mit denen er Jahre später im selben Schlitten saß.
Im Februar 2026 gewann er als Anschieber im Team von Johannes Lochner Olympiagold im Viererbob. Den sicheren Platz hinten im Schlitten gibt er jetzt auf: Ab der Saison 2026/27 fährt er als Pilot und fängt damit wieder ganz unten an.
Neben dem Sport ist Jörn bei der Bundespolizei. Vier Monate im Jahr ist er in der Ausbildung, die restliche Zeit gehört dem Training.
Fußball, Rennrodeln, Mountainbike-Langstrecke: Jörn probiert vieles aus und merkt früh, dass er kein Ausdauertyp ist, sondern Sprinter. Im Winter steht er mit seinen Eltern an der Bobbahn und will nur eines: selbst dabei sein.
Er bekommt ein Probetraining, aber der Test fällt nicht gut aus. Die Trainer schicken ihn mit einem halben Jahr Bedenkzeit nach Hause. Im ersten Corona-Frühjahr trainiert er auf eigene Faust, sprintet auf Sportplatz und Straße, und seine Schwester nimmt die Zeiten. Beim zweiten Test staunen die Trainer, wie viel schneller er geworden ist.
Im Team gilt er als Versuch, und er hört immer wieder: „Da kommen Bessere.“ Genau das treibt ihn an. Nach zwei Jahren gehört er zu den Schnellsten seiner Trainingsgruppe.
Schritt für Schritt kämpft er sich vom Europacup in den Weltcup. Schon damals rät ihm der Bundestrainer, es als Pilot zu versuchen, die Olympia-Chance als Anschieber aber vorher noch mitzunehmen.
Als Anschieber im Schlitten von Johannes Lochner gewinnt Jörn mit 21 Jahren olympisches Gold. Für ihn geht damit ein Kindheitstraum in Erfüllung: auf dem Niveau der Athleten zu fahren, die er früher vom Bahnrand aus angefeuert hat.
Erst in Oberhof, dann in Altenberg setzt er sich zum ersten Mal als Pilot in den Schlitten. „Als Anschieber siehst du eigentlich gar nichts. Als Pilot siehst du, wohin du fährst. Das ist etwas komplett anderes.“ Bis zum Saisonende kommen 15 Fahrten zusammen, und er hätte gern noch viel mehr gemacht.
Jörn gibt einen sicheren Platz im Weltcup-Team auf und fängt wieder unten an. Johannes Lochner, seine Trainer, seine Familie und die Bundespolizei stehen hinter dem Schritt. Prognosen gibt es keine, er arbeitet sich Fahrt für Fahrt nach vorn. Diese Seite erzählt den Weg mit.
„Ich habe mich einmal von ganz unten nach oben gearbeitet. Jetzt fange ich wieder unten an, um dasselbe noch einmal zu schaffen.“
Als Anschieber weiß Jörn genau, was er kann, und sein Kaderplatz wäre ihm wohl auch in den nächsten Jahren sicher gewesen. Als Pilot fängt er wieder dort an, wo er hergekommen ist. Dieser Weg ist härter, intensiver und deutlich teurer.
„Als Anschieber bekommt man vieles bezahlt. Als Pilot ist man der, der alles zahlt.“
Jörn hat jahrelange Weltcup-Erfahrung mit Wettkampf, Schlittenbau und Material. Wie ein Bob funktioniert, muss er sich nicht mehr erarbeiten, anders als jemand, der von Anfang an Pilot war.
Beim Aufbau eines eigenen Teams kann er Johannes Lochner fragen. Der sagt über ihn: Er hat das Zeug dazu.
„Angst ist das falsche Wort. Respekt ist das bessere.“ Gemeint ist der erste Sturz als Pilot, und erst recht die erste Fahrt mit einem Anschieber hinter sich, für den er dann voll verantwortlich ist.
Ein schlechtes Ergebnis wäre für ihn, zur Saisonmitte kaum Fahrten gemacht zu haben und nicht vorangekommen zu sein. Deshalb organisiert er schon jetzt mit seinem Trainer so viele Bahnzeiten wie möglich.
Vier Monate im Jahr ist Jörn in der Ausbildung bei der Bundespolizei: vormittags Unterricht, nachmittags Training. Danach trainiert er zu etwa zwei Dritteln in Potsdam und die übrige Zeit an seinem Heimatstandort Altenberg. Trainingsbeginn ist um 9:30 Uhr.
Dazu kommen zwei bis drei Oberkörpereinheiten am Nachmittag, Regeneration und Autogrammkarten-Anfragen.
Im Winter beginnt der Tag früh an der Bahn. Eine Bahneinheit dauert ein bis zwei Stunden. Er ist eine Stunde vorher da, und danach braucht er noch eine halbe Stunde, um den Schlitten abzutrocknen und für den nächsten Tag vorzubereiten. Dazwischen liegt die Arbeit am Material: Ein Bob ist ein Hochpräzisionsgerät mit sehr vielen kleinen Teilen, und wenn eines nicht richtig sitzt, läuft er nicht.
Athletikblöcke, Anschubtraining, erste Einheiten am Steuer: Die Vorbereitung auf die erste Saison als Pilot ist in vollem Gange.
Nach dem Olympiagold als Anschieber fällt die Entscheidung: Jörn geht ab 2026/27 als Pilot an den Start — der Neuanfang beginnt.
Eine Woche nach Olympia sitzt Jörn erstmals vorne: Oberhof, dann Altenberg. 15 Fahrten bis Saisonende, und jede davon zählt.
Gemeinsam mit dem Team um Johannes Lochner gewinnt Jörn olympisches Gold — der bisher größte Moment seiner Laufbahn.
Ein Probetraining, das nicht reicht. Trainer, die ihn für ein Projekt mit ungewissem Ausgang halten. Olympiagold mit 21 und dann die Entscheidung, freiwillig wieder ganz unten anzufangen. Jörn erzählt seine Geschichte live, ehrlich und ohne Show. Für Schulen, Vereine und Unternehmen.
„Als Pilot ist man der, der alles zahlt.“ Jörns Weg zum eigenen Schlitten beginnt jetzt, und mit ihm die Chance, diese Geschichte von Anfang an zu begleiten. Erste Partner aus der Region sind bereits dabei. Es ist noch Platz für Unternehmen, die zu einem sauberen, geradlinigen Sportler passen.